SL Hessen

Tag des Selbstbestimmungsrechtes

SL-Kreisgruppe Groß-Gerau gedenkt der März-Toten am südhessischen Wallfahrtsort Maria Einsiedel

An dem Ort, an dem sich seit der Vertreibung die Heimatvertriebenen aus ganz Südhessen zu ihrer alljährlichen Heimatvertriebenenwallfahrt treffen, lädt die Kreisgruppe der Sudetendeutschen Landsmannschaft Groß-Gerau in den letzten Jahren zur ihrer Gedenkfeier am Tag der Selbstbestimmung ein.

Nach einem Dankgottesdienst in der weiten Pilgerhalle des Wallfahrtsortes trifft man sich zur anschließenden Gedenkfeier mit Kranzniederlegung am Vertriebenenkreuz, einem alten Friedhofskreuz aus Nordböhmen.

Ortspfarrer Heinrich Bosse ging am 04.03.18 während des Gottesdienstes bei seiner Begrüßung, in seiner Predigt und bei den Fürbitten mehrmals auf die tragischen Geschehnisse des 4. März 1919 im Sudetenland ein und forderte dabei das Recht der Selbstbestimmung für alle Völker.

In seiner Ansprache erinnerte Erich Fech, Mitglied der Leitungsgruppe des BdV-Kreisverbandes Groß-Gerau, im Beisein von Markus Harzer, Obmann der Sudetendeutschen Landsmannschaft - Landesgruppe Hessen, an die Geschehnisse vor fast hundert Jahren, die letztendlich der schicksalhafte Beginn der Sudetendeutschen Volksgruppe waren. Der Erste Weltkrieg sei als "Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts" ein Ereignis, das sich fatal auf die weitere Geschichte Europas auswirkt habe. Für die Entwicklung nach diesem Krieg war der 4. März 1919 für die Sudetendeutschen von besonderer Bedeutung: die Deutschen begehrten auf!

"Zu den Forderungen des 4. März gehörte an erster Stelle das Selbstbestimmungsrecht der Völker, das von US-Präsident Wilson als Grundprinzip einer Friedensregelung proklamiert worden war. Danach sollte den Völkern Österreich-Ungarns die Möglichkeit zu unbehinderter autonomer Entwicklung eingeräumt werden. Der Konflikt eskalierte und endete tragisch, als tschechische Soldaten wahllos auf die friedlichen Demonstranten geschossen und 54 Menschen töteten, darunter auch Frauen und Kinder. Die Opfer erhielten keine Entschädigung, die Täter wurden nicht ermittelt und bestraft."

Für die Sudetendeutschen sei der 4. März als "Tag der Selbstbestimmung" zu einem identitätsstiftenden Gedenktag geworden. Viele Male sei seit jenem Tag das Selbstbestimmungsrecht der Völker mit Füßen getreten worden, Millionen von Menschen seien seither unter größten Opfern aus ihrer angestammten Heimat vertrieben worden.

"Daher sind die schrecklichen Ereignisse vom 4. März 1919 eine geeignete Mahnung dafür, mit aller Entschiedenheit für das Recht auf die Heimat und das Selbstbestimmungsrecht einzutreten, und zwar für alle Völker und Volksgruppen."

Darum hat die Sudetendeutsche Landsmannschaft, nicht zuletzt aus eigener, leidvoller Erfahrung, diese Anliegen in ihren Arbeitsalltag übernommen. So formuliert der Verbandszweck: "Die Landsmannschaft wirkt an einer gerechten Völker- und Staatenordnung mit, in der die Menschen- und Grundrechte, das Recht auf die Heimat und das Selbstbestimmungsrecht der Völker und Volksgruppen für alle gewahrt und garantiert werden. Dazu gehört, dass die EU-Grundrechtecharta in allen ihren Teilen für alle EU-Mitgliedstaaten uneingeschränkt verbindlich gilt. Verstöße gegen diese Rechte wie Völkermord, Vertreibungen, ethnische Säuberungen, Verbrechen gegen die Menschlichkeit, menschen- und völkerrechtswidrige Enteignungen sowie Diskriminierungen sind weltweit zu ächten und dort, wo sie erfolgten, auf der Grundlage eines gerechten Ausgleiches zu heilen".

"Damit verbindet die Sudetendeutsche Landsmannschaft auch die Hoffnung, dass sich nach Phasen des Stillstands und der Rückschläge ein Dialog zwischen Tschechen und Sudetendeutschen auch auf oberer Ebene abzuzeichnen beginne, in dem alle offenen und heiklen Fragen ohne Furcht und Zwang behandelt werden sollten."

In seinen Schlussworten bei der Kranzniederlegung am Vertriebenenkreuz zitierte SL-Kreisobmann Helmut Brandl aus der Botschaft zum Weltfriedenstag 1989 des früheren Papstes Johannes Paul II., in dem er den Schutz der nationalen Minderheiten verlangte:
"Um Frieden zu schaffen, Minderheiten achten" und wies darüber hinaus auf die derzeit von der europäischen Bürgerinitiative "Minority SafePack" initiierte Unterschriftenaktion zum Schutz der europäischen Minderheiten hin.

Die Gedenkfeier wurde von Mitgliedern der Egerländer Gmoi z`Kelsterbach und der Siebenbürger Musikanten aus Pfungstadt sowie von Fahnenträgern des BdV-Ortsverbandes Biebesheim mitgestaltet.

Text und Fotos: sl-press/groß-gerau/2018
März 2018